Vegan with benefits

Ist es nicht bei jedem so, dass wir denken „oh man, ich müsste echt mal wieder gesünder leben? Mehr trinken, mehr Sport machen, mehr Gemüse und weniger FastFood essen“?

Anfang des Jahres bin ich das Thema ziemlich abrupt angegangen. Zuerst wollte ich keine Produkte mehr essen, in denen Industriezucker verarbeitet wurde; also keine Bonbons, keine Kuchen, kein Ketchup, keine Fertigsaucen, kein Eis mehr. Zucker aus Früchten und Honig habe ich absichtlich außer Acht gelassen, da mir diese als natürlicher erscheinen und ich beides ohnehin nicht häufig esse.
Es ist unglaublich, in wie vielen Produkten Zucker steckt, die man auf den ersten Blick gar nicht mit süßem Geschmack in Verbindung bringt! Hier ist der einzige Weg, sich beim Einkaufen genügend Zeit zu nehmen und die Inhaltsangaben zu studieren.

Von sogenannten light Produkten und solchen mit Zuckeraustauschstoffen rate ich noch viel mehr ab, als von der herkömmlichen Variante.
Kurz nach meinem Zucker-frei-Start erzählte mir eine gute Freundin, sie hätte einen veganen, zuckerfreien Kuchen gebacken. Das klang erst mal interessant. Als sie mir jedoch die Zutaten nannte, wurde ich skeptisch. Der Ersatzstoff für Zucker, Erythrit, wird seit einigen Jahren als Insektizid gegen Fruchtfliegen verwendet. Bitte? Jetzt mal ehrlich: wer möchte denn soetwas zu sich nehmen? Hier gibt es von mir ein ganz klares: Nein – Finger weg von Austauschstoffen!

Im Internet habe ich häufig gelesen, dass es einigen Leuten anfangs sehr schwer fällt und sie Heißhunger-Attacken bekämen, wenn sie einige Tage auf Zucker verzichteten. Dies blieb bei mir weitestgehend aus. Problematisch wurde es, als ich einige Wochen später krank wurde – die Virus-Welle hatte mich nun auch getroffen und wie der Teufel es will, steckte in fast jedem Medikament das ich nahm Zucker o. ä.

Tja und ab da war es dann wieder hin mit meiner zuckerfreien Zeit. Die nachfoglenden Versuche wieder zu starten scheiterten allesamt.

Nun kam der Tag, an dem ich mir eine neue Hausärztin suchte und diverse Untersuchungen gemacht wurden. Heraus kam eine erworbene Glutenunverträglichkeit und eine Kaseinallergie. Von der (leichten) Laktoseintoleranz habe ich schon vor Jahren erfahren.

Es gibt immer wieder Menschen die die Meinung vertreten, dies seien Modeerkrankungen, die man sich nur einbilde. Diese Leute sollte man ignorieren, denn ich kenne meinen Körper und spüre, wie er auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Jahrelange Beschwerden, die sich letztendlich durch diverse Testergebnisse bestätigen lassen und welche durch entsprechende Ernährungsumstellungen verringert werden, können nicht falsch sein. Punkt.

Nachdem ich nun die Ergebnisse sah und mir erklären lies, was ich ändern sollte, war schnell klar, dass ich es versuchen muss.

Bedingt durch die Laktoseintoleranz habe ich häufig auf -L Produkte zurückgegriffen. Diese sind bei einer Kaseinunverträglichkeit jedoch sinnlos.
Kasein ist das Milcheiweiß und befindet sich in jeder Art von Milchprodukt und lässt sich nicht, wie z.B. durch Laktrase bei der Laktoseintoleranz (welche den Milchzucker benennt), aufheben. Kasein befindet sich neben der normalen Kuhmilch ebenfalls in Ziegen-, Schafs- und Stutenmilch. Weshalb die einzige Möglichkeit darin besteht, jedes Produkt mit Milch zu meiden.

Ein großes Problem für mich! Mein Müsli morgens ohne Milch? Kein Milchreis, kein Käse, keine Joghurts? Das ist schon schlimm genug. Doch schaut man wieder einmal genauer auf die Zutatenliste diverser Produkte, so findet man auch in den unwahrscheinlichsten Lebensmitteln Milch, in Form von Milchpulver, Milchsäure etc. Die Liste ist ewig lang…

Hinzu kommt also noch die erworbene Glutenunverträglichkeit.
Ist diese angeboren, spricht man von Zöliakie, welche ich zum Glück nicht habe. „Erworben“ kann nämlich auch heißen, dass ich diese Unverträglichkeit wieder loswerde. Bis dahin heißt es: Weizen, Roggen und Dinkel meiden. Im Alltäglichen also: kein Brot, keine Brötchen, kein Toast, keine Waffeln, kein Kuchen, keine Pizza, keine Nudeln, kein Flammkuchen, kein Baguette, kein Knoppers… Die Liste ist mindestens genauso lang wie die obere, denn selbst bei Lebensmitteln, die keinerlei Getreide in sich zu haben scheinen, wird Gluten extra hinzugefügt.

Gluten ist der Kleber im Getreide, welcher separiert anderen Produkten für eine angeblich bessere Konsistenz zugefügt wird. Und wieder hilft hier nur: beim Einkauf Zeit mitnehmen und jedes Etikett genau durchlesen!

Das Hauptproblem beim Gluten liegt nicht zwangsweise am Gluten selbst, sondern an der Menge. In einem Artikel habe ich gelesen, dass vor ~ 50 Jahren der Gehalt an Gluten im Weizen bei 5 % lag, heute sind es bis zu 50 %! Die ursprünglichen 5 % würden uns also vermutlich gar nicht weiter stören – oder warum hatte die Generation unserer Großeltern früher dieses Problem nicht?

Des Weiteren besteht ein großes Problem beim Anbau. Es wird heutzutage alles mit Pestiziden und anderen giftigen Stoffen besprüht, um möglichst hohe Ernten zu erzielen. Wir leben hier in einer Welt der Überproduktion, wo Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen werden und es gar nicht nötig wäre, dass wir uns selbst mit den Sachen vergiften, die wir auf unser Essen klatschen, wenn es nicht immer nur um Geld und Macht gehen würde. Da das aber leider der Fall ist, können wir heutzutage live miterleben, wie wir uns selbst kaputt machen (lassen).

Nunja. Die Folge alldessen ist nun, dass ich meine Ernährung komplett überdenken und ändern muss. In meinem Fall besteht die Hoffnung, dass nach einer mehrmonatigen absoluten Abstinenz alles wieder gut ist.

Nach einigem Überlegen und stundenlangem Recherchieren im Netz bleibt mir nun mich weitestgehend vegan zu ernähren; sprich Gemüse, Obst, Salat, Reis. Und Fleisch. Also vegan with beneftis  😉  Zwar bleibt auch die meiste Wurst außenvor, da diese oft irgendwelche der drei bösen Zutaten Gluten, Milch oder Zucker enthält, aber das schöne Stück Hüftsteak oder ein zartes Hähnchenschnitzel bleibt mir dennoch erhalten.

Ich habe nichtsdestotrotz ein Problem mit vielen veganen Produkten. Schaue ich mir z. B. veganen Käse an, finde ich hier ebenfalls wieder Inhaltsstoffe die mich skeptisch machen. Da dieses Thema für mich – hoffentlich – nur einige Monate besteht und ich danach versuchen werde einen passenden Mittelweg zwischen „alten Gewohnheiten“ (Oh Gott, ich liebe einfach Nudeln und Salat geht bei mir auch nur mit Dressing, denn ich hasse Essig) und der neuen Ernährungsweise (Humus auf glutenfreiem Brot, Sojamilch zum selbstgemixten Müsli) zu finden, werde ich es wohl schaffen, auf das ein oder andere zu verzichten.

Bis Ende des Jahres geht diese Diät-Therapie. Ich werde berichten, wie es gelaufen ist!

2 comments on “Vegan with benefitsAdd yours →

    1. Mandelmilch habe ich am Wochenende probiert, die ist wirklich deutlich schmackhafter und besser! Kann ich mir neben Müsli auch gut für Milchreis oder zum Backen vorstellen 😀

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