Menorca 3 – Verstecktes und Geschütztes

Die zweitgröße Baleareninsel besitzt eine reiche Artenvielfalt an Flora & Fauna.

Dank des Biosphärenreservats s’Albufera d’es Grau kann man beides gut erkunden. Das Naturschutzgebiet besteht aus Landflächen, Feuchtwiesen, Süßwasserspeisungen und einer Lagune. Über 200 Pflanzenarten wachsen hier. Unter anderem gedeihen auf Menorca Zitronenbäume und wilde Olivenbäume, daneben eine besondere Art der Kamille und Kapern-Sträucher, um nur ein paar zu nennen.

DSC_4322Wanderwege im Naturschutzgebiet.

DSC_4358s’Albufera des Grau.

IMG_4587Vom salzigen Wind gebeugte Wälder.

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Allein über 100 Vogelarten leben im Bereich s’Albufera d’es Grau. Komorane, verschiedene Enten und Reiher, ebenso wie zahlreiche Milane und Falken sind hier regelmäßig zu beobachten. Auch an Eidechsen und Geckos mangelt es nicht, ebenso wenig an verschiedenen Schmetterlingen und Heuschrecken.

DSC_4316Ein Milan im Flug.

DSC_4336Eine Eidechse – man beachte ihren türkisen Fleck und wie sie in die Linse blickt.

DSC_4380Schildkröten-Ei?

In einem bestimmten Abschnitt lassen sich, mit etwas Glück, Landschildkröten beobachten. Eine davon treffen wir gut getarnt im Vorbeigehen am Wegesrand an. In Ruhe sehen wir ihr dabei zu, wie sie sich langsam umdreht und wieder in Richtung Dickicht verschwindet.

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Neben der speziellen Rinderrasse auf Menorca, aus denen vor allem Lederartikel und der berühmte Mahon Käse produziet wird, entwickelte sich eine eigene Pferderasse. Es sollen ausgesprochen gute Reitpferde sein und am 24.06. eines jeden Jahres gibt es das Sant Juan Fest, an dem die Reiter mit den tiefschwarzen Pferden durch die engen Gassen Ciutadellas preschen und sie mit vollem Stolz präsentieren.

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Ein gänzlich anderes Tier beansprucht jedoch meine gesamte Aufmerksamkeit, als wir gerade auf dem Weg zur Cova d’en Xoroi sind. Um einen Blick auf die Karte zu werfen, halten wir am Straßenrand an. Auf dem Bürgersteig liegt ein Igel. Er steht nicht, aber er ist auch nicht eingerollt. Besorgt steige ich aus und schleiche mich langsam an das schwer atmende Tier heran. Beobachte es eine Weile. Wir überlegen, ob wir etwas für den Kleinen tun können. Kurz darauf kommt ein Trupp Spanier und jemand nimmt seine Cappy, schiebt den Igel an und er rollt hinein. Einige Meter weiter legt er ihn behutsam auf eine an wildes Gebüsch grenzende Mauer. Wir warten ein paar Minuten, der Igel rührt sich nicht.

Nicht weit entfernt ist ein verstecktes Stück Klippe, von wo aus man einen hervorragenden Ausblick auf das Meer und die südliche Küste hat. Auf dem Rückweg zum Auto möchte ich noch ein mal nach dem Igel sehen. Von weitem sehe ich bereits die leere Stelle auf der Mauer und ihn flink über die Straße laufen. Meine Befürchtung, dass er im Sterben lag, ist zum Glück nicht wahr. Immer schneller läuft er über die Straße, stockt aber und bleibt fast mittig liegen, weil wir wohl zu nah gekommen sind. Was nun? Ich in Panik. Und wenn ein Auto kommt?
Kurzerhand den Sonnenhut aus dem Auto geholt und den Kleinen vorsichtig hineingeschoben. So wandere ich mit ihm ein Stück zurück, nur weg von der Straße und setze das strohige Igelmobil im Gebüsch ab, warte bis er hinauskrabbelt und habe ihn schon längst in mein Herz geschlossen. Tschüss, kleiner Freund!

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Ein weiteres spannendes Thema ist die talayotische Zeit auf Menorca.
Diese prähistroische Kultur lebte zwischen dem 13. und 2. Jahrhundert vor Christus. 123 v. Chr. durch die Römer „vertrieben“, so heißt es wohlwollend auf allen Informationsschildern. Dass diese abgeschlachtet oder versklavt wurden, ist jedoch wahrscheinlicher.

Über 1.500 Ausgrabungen, 32 davon für die Öffentlichkeit zugängig, findet man auf Menorca. So viel wie nirgends sonst. Ein Grund mehr, sich einen Tag lang mit Naveta, Taula und Talayot zu beschäftigen.

Zuerst besuchen wir die alte Begräbnisstätte Naveta des Tudons. Unglaublich, dass dieses Bauwerk seit weit über 3.000 Jahren dort steht! Rein darf man leider nicht, aber das möchte ich auch nicht, denn ein Blick durch den winzigen Eingang genügt, um die dunkle, feuchte und kalte Grabluft zu spüren.

DSC_44093.000 Jahre alte Grabstätte.

Im Anschluss besuchen wir einen stillgelegten Steinbruch, der seit 1994 restauriert und für Besucher umgestaltet wurde. Hier gibt es einen großen botanischen Bereich, ein Labyrinth und einige verwunschene Ecken und Geheimwege. Doch allein der Ausblick in den tiefen Steinbruch ist überwältigend, noch mehr jedoch selbst unten zu stehen, hinaufzuschauen und sich unglaublich klein zu fühlen.

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DSC_4503Alte Steinsägemaschinen.

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Kaum sitzen wir im Auto, beginnt es zu regnen. Glück gehabt! Denn nun machen wir uns auf den Weg und wollen die alte Siedlung Torretrencada aufsuchen. Diese Stätte ist die für uns heute einzige kostenfreie, sie liegt ziemlich abgelegen und ist daher auch nicht sehr frequentiert. Allein der Anfahrtweg ist ein Erlebnis. Kurz vor dem Ziel kommt uns ein Tiertransporter entgegen. Kurzerhand mal eben ein gutes Stück rückwärts bis zur nächsten Hofeinfahrt fahren, ihn vorbei lassen und hoffen, dass es beim 2. Versuch klappt. Leider regnet es noch immer und nicht gerade wenig, so machen wir es uns in dem kleinen Fiat 500 gemütlich und schlafen ein Stündchen.
Noch immer Regen, also machen wir uns auf den Rückweg. Laut Karte gibt es einen zweiten Weg der zurück zur Hauptstraße ME-1 führt. Nach kurzer Zeit hört der Aspahlt auf und geht in Schutt über, der wiederrum in Geröll endet. Wenn die Autovermietung ihre Autos mit GPS überwachen, schütteln die bei uns jetzt auch nur den Kopf, sagt mein Partner. Verständlich. Denn eigentlich ist dies eine Straße die man eher mit einem 4×4 befahren sollte – wenn überhaupt. Wir schleichen und rütteln daher, langsam voran, bis sich nach einigen Kilometern der Weg wieder öffnet, denn kaum breiter als unser Auto ist er aktuell und umgeben von den typischen Steinmauern. Dass wir falsch sind, haben wir inzwischen begriffen. Nur leider ist ein Wendemanöver hier unmöglich.
Der Weg öffnet sich plötzlich und wir finden ein verfallenes, altes Haus. Hier wohnt (und fährt deshalb) schon lange niemand mehr. Zumindest aber können wir hier wenden und fahren die Offroadpiste bis Torretrencada wieder zurück. Zumindest hat es jetzt aufgehört zu regnen und wir schauen uns diese Stätte doch noch an!

DSC_4516Wer hier wohl einst lebte, so weit ab von allem?

DSC_4517Offroadpiste und Inselflitzer Nummer 2!

Etwas mulmig ist es uns dann schon, dass dort eine große Herde Kühe frei rumläuft und zum ersten Mal fällt mir auf, dass diese Tiere deutlich größer sind als ihre Verwandten in Deutschland oder Österreich. Zum Glück interessieren sie sich nicht sonderlich für uns und fressen weiter das Grünzeug von den alten Denkmälern. Ein seltsamer Ort. Verwunschen und vergessen wirkt er. Wieder ein mal fragt man sich, wie es hier zu Lebzeiten ausgesehen haben muss?

DSC_4541Jemand ein Bad?

DSC_4524Eine doppelte Taula.

Dieses Mal nehmen wir den richtigen Weg zurück und fahren die letzte Stätte an. Torre d’en Galmés. Die größte Siedlung der Insel, mit diversen Wohnhäusern, Wachtürmen, Grabstätten, Stallungen und Höhlen, die teils zur Wassergewinnung oder als Ölmühle dienten. Und das beste ist: in die Höhlen darf man rein, auch wenn das teilweise bedeutet, dass man in die Erde klettern muss. Spannend! Es ist noch längst nicht alles ausgegraben und dennoch kann man hier Stunden verbringen.

DSC_4568Der Einstieg in eine…

DSC_4573… ehemaligen Ölmühle.

DSC_4577Und der Eingang zu einer…

DSC_4579… alten Begräbnisstätte. In die Kuhlen wurden die Körper gelegt. Sie sind nicht größer als 1,20m.

DSC_4584Ein seltsames Gefühl, unter aufeinandergestapelten Steinen herzugehen, die bereits mehrere Jahrtausende dort stehen…

Wie das wohl eines Tages sein mag, wenn man zu den jetzt schon 3.000 Jahre alten Steinhaufen auch noch Relikte aus unserer Zeit ausgraben wird?

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