Menorca 1 – Tourismus und Touristen

Juni 2015.

Oh, wie bin ich umhergehüpft, als wir im nass-grauen Dezember aus dem Reisebüro traten und ich die Unterlagen zur erfolgreichen Buchung in den Händen hielt!
Die Vorfreude ging soweit, dass ich nervlich vor dem Urlaub schon etwas durch war. So müssen sich andere fühlen, wenn sie die Reise ihres Lebens antreten, nach Hawaii, Australien oder auf die Malediven.

Doch gerade die erscheinen mir überflüssig im Anblick der feinsten, weißen Strände, an denen das türkise Meerwasser meine Augen mit dem Schönsten erfüllt.
Ja ok, ich schwärme schon ziemlich schlimm. Ich weiß das. Aber dennoch, oder gerade deswegen, möchte ich hier von meinem Urlaub berichten. Und da ich mich kenne und mich zwischen den 1.500 Fotos nicht entscheiden kann für eine Top 10, mache ich einfach eine Unterteilung in mehrere Kategorien und somit 4 einzelne Blogeinträge, in denen ich euch hier im ersten über die Reise allgemein und unseren Hotelaufenthalt erzählen möchte.

Es gibt alle möglichen Arten von Reisen und Anreisen. Für den hiesigen Urlaub haben wir uns ohne Umwege für das Fliegen entschieden.

Wer selbst öfter fliegt wird vielleicht wissen, dass sich das Fliegen in den letzten 25 Jahren stark verändert hat. Flog ich in den frühen 90er Jahren noch mit einem halben Liter Fanta und meiner Kinderbastelschere im Handgepäck, bekam an Board ein Frühstück und eine aufblasbare LTU gratis, so sitze ich nun da, eingepfercht wie in einer Legebatterie und könnte mir ein gummriges Käsebrötchen für 7€ gönnen, nachdem ich vom Bodenpersonal auf Sprengstoff getestet wurde. Und die schreienden Blagen (darf man das so nennen?) vor, neben und hinter mir. Hallelujah!

Zum Glück sind zwei Stunden schnell rum, unser Hotel in Son Bou (genauer in Torre Soli Nou, aber dazu später mehr) ist eines der ersten das angefahren wird und unser Zimmer ist auch schon bezugsfertig – ein guter Start!

DSC_3452

Ich bin nun zum 3. Mal in diesem Hotel und zum 5. Mal auf dieser Insel. Dass mich der Oberkellner nach 4 Jahren wiedererkennt (ich reiste damals allein), freut mich sehr. Ebenso das Lob für meine Spanischkenntnisse, mit denen ich uns Abend für Abend die Getränke ordere. Dass man dann noch mal ein Schippchen besser behandelt wird, wenn man in vernünftiger Abendkleidung erscheint, macht mich schon ein bisschen stolz. Vernünftig heißt hier: die Herren in langer Hose, geschlossenen Schuhen und T-Shirt oder Hemd; die Damen im Kleid. Doch auch das kann tükisch sein, denn (zu) viele kennen den Unterschied zwischen Strandkleid und einem für das Essen angepasste offensichtlich nicht.

DSC_3462Gartenanlage und Appartmentgebäude

Eine amüsante Anekdote, die man zwischen all den anderen Pauschal-Touris so erlebt, ist diese:

Es gibt einen hoteleigenen Shuttlebus, der zwischen dem Hotel und dem 2 km entfernten Strand pendelt. Während einer Rückfahrt zum Hotel höre ich, wie ein junges Elternpaar seine Tasche sucht. Plötzlich springt der junge Mann auf (ohne T-Shirt, ohne Schuhe, nur in Badehose und vom Typ her á la Dennis aus Hürth) und redet auf den Busfahrer ein – auf Deutsch wohlbemerkt! – wo denn seine Tasche sei, er habe sie wohl unten vergessen und möchte doch mal im Kofferraum nachsehen. Der sichtlich irritierte Busfahrer, der den jungen Mann nicht zu verstehen scheint, fährt und weiß nicht weiter, denkt vielleicht, der Mann sei im falschen Bus. Bei dem Wort „Stop“ hält er an. Der junge Vater springt aus dem Bus – der Fahrer kopfschüttelnd hinterher – und kommt eine Minuter später wieder, mit einem Grinsen im Gesicht und den Worten, die er an seine Freundin richtet, die direkt hinter dem Busfahrer sitzt „Jackpott! Das Handy is‘ inner Tasche hinten drin. Aber hasse gemerkt? Der Typ kann nich‘ mal Deutsch!“.
Ja, es gibt Momente, da schäme ich mich für meine Landsleute und genau in Gegenwart solcher Leute passiert mir das recht häufig.

Im Gegenzug waren es dieses Mal die englischen Mitreisenden, die mir positiv aufgefallen sind. Was bei solcher Art Urlaub auch nicht selbstverständlich ist, da habe ich schon genug anderes erlebt. Doch dieses Mal war ich durch die (doch schon übertriebene) Höflichkeit überrascht. So stehe ich am Buffet, mit meinem Teller in der Hand, drehe mich herum um an eine andere Leckerei zu kommen und… habe einen englischen Herrn oder auch mal eine englische Frau vor mir stehen. Nun wird er oder sie zur Seite zur Seite springen, um mir nicht im Wege zu stehen oder er/sie huscht aus selbigem Grund ganz rasch davon, jedoch beides nicht ohne ein „sorry“, das klingt, als hätten sie mich mit Torte beworfen, wollten aber nicht mich sondern jemanden neben mir treffen. Pragtmatisch wie ich bin, nehme ich es schweigend hin und bin froh, keine Torte im Gesicht zu haben 😉

Hier mal ein paar Leckereien aus dem Hotel-Restaurant: IMG_4254

IMG_4256

IMG_4647

IMG_4260

Während der ersten Woche verbringen wir vermehrt Zeit in unserem Ort. Das Hotel liegt oberhalb eines Hangs, vom Strand aus ist es nicht zu sehen. Sehr gut sieht man jedoch hingegen, dass für diese Region ein mal mehr geplant war. Schaut man über Google Maps oder spaziert durch die anliegenden Straßen, findet man nur wenige kleine Villen und Fincas, dafür jedoch jede Menge wild bewachsene Flächen, quadratisch angelegt und unterbrochen von asphaltierten Straßen. Auch eine Menge Schilder hierher und ein abgelegnes Restaurant, welches groß beworben wird, sind überall sichtbar.

Was hier passiert ist oder eben nicht passiert ist, kann man nur als posititiv betrachten. Wie ungleich überrannter wäre der Ort, wie viel Stille und Einsamkeit wären weiterhin verloren gegangen, hätte man auch dort alles zugepflastert. Und genau das wollten die Insulaner nicht. So erklärten sie manches Gebiet zum Naturschutz und wehrten sich, auf dass die bereits angefertigten Baupläne tief in die Schubladen zurück gelegt wurden. Das jemals daran weiter gearbeitet wird, darf – zum Glück – stark bezweifelt werden. Mallorca gilt da als abschreckendes Beispiel, denn genau diese Art (Massen-)Tourismus ist auf Menorca nicht erwünscht, weder von den Menorquinern noch von den meisten Touristen.

DSC_3986

DSC_3858Lang verlassene Häuser und asphaltierte Straßen die ins Nichts führen.

Son Bou, halt doch einer der größten Touri-Orte der Insel, bietet im Kern jedoch trotzdem alles, was man (nicht) braucht. Eine handvoll Supermärkte, Boutiquen, Restaurants, Autovermietungen… Aber alles überschaubar.

Was ich an diesem Ort am meisten liebe ist sein Strand. Mit 3 Kilometern der längste Menorcas. Strandbars und Fußduschen sind dabei eine angenehme Sache und wem das noch immer zu viel Publikum verspricht, läuft einfach eine Viertelstunde weiter, bis er zum nächsten Nachbarn noch mal 5 Minuten laufen müsste. Und spätestens am Abend, hat man den kompletten Strand tatsächlich für längere Zeit für sich allein – traumhaft!

DSC_4173

2 comments on “Menorca 1 – Tourismus und TouristenAdd yours →

  1. Ich habe es gerade gelesen,war ich in diesen Moment selber da?Super schön geschrieben. Dort muß ich auch mal Urlaub machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.